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Workshop Auftraggeber als Träger der Landesidentität: Kunst in der Steiermark vom Mittelalter bis 1918

Die Steiermark in ihren historischen Grenzen gehört heute zu Österreich wie auch zu Slowenien. Bis zum Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde das Land (mit der Hauptstadt Graz) im Gebiet der historischen, kunsthistorischen, volkskundlichen etc. Forschung als Einheit betrachtet. Nach 1918 und besonders nach 1945 änderte sich mit der damals entstandenen Grenze der Blickpunkt sowohl der österreichischen als auch der slowenischen Forscher. Als Folge der neuen politischen Konstellation werden im Bereich der Kunstgeschichte maßgebliche Zusammenhänge übersehen, die für ein vertieftes Verständnis der Denkmäler von Bedeutung wären. Deutlich wird dieser Umstand vor allem in den Werken, die sich in der Form einer Übersichtsmonographie mit der bestimmten Kunstwerken einer Kunstepoche auseinandersetzen. Zu nennen wären zum Beispiel "Die barocke Deckenmalerei in der Steiermark" von Günter Brucher (1973) und "Die barocke Deckenmalerei in Slowenien" von Marjana Lipoglavšek (1996) für die Kunst der frühen Neuzeit, und "Die mittelalterlichen Wandmalereien in der Steiermark" von Elga Lanz (2002) sowie "Die mittelalterlichen Fresken Sloweniens. Bd. 4: Ostslowenien" von Janez Höfler (2004) für die Kunst des Mittelalters. Ohne Berücksichtigung des historischen Kontexts ist es jedoch nicht möglich, die Kunstwerke zu erforschen und zu verstehen, das Œuvre der einzelnen Künstler festzustellen und zu bewerten, die richtigen Vergleiche zu finden und vieles mehr. Um zu relevanteren Forschungsergebnissen zu gelangen, wäre eine engere Zusammenarbeit der Forscher beiderseits der Grenze notwendig. Als ein Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit wurde als Thema des geplanten Workshops die Problematik der Auftraggeber als Träger der Landesidentität gewählt. Es waren nicht nur die Künstler, Architekten, Bildhauer und Maler, die, ungeachtet der heutigen Grenze, im ganzen Gebiet der Steiermark ihre Aufträge ausführten und deren Œuvre in der Steiermark und in Slowenien erhalten ist, das verbindende Element waren vor allem die Auftraggeber und Mäzene. Der Adel, Bischöfe, Äbte, Pfarrer und Bürger ließen ihre Bauvorhaben und die Ausstattung ihrer Kirchen, Schlösser, Paläste und Häuser von den von ihnen bevorzugten Künstlern ausführen. Die Kontakte wurden oft in Graz geknüpft, einem Kunstzentrum, von dem aus sich die Innovationen im künstlerischen Bereich in die Peripherie ausbreiteten. Dies ist vor allem in der frühen Neuzeit nachvollziehbar, als die Adelsfamilien Eggenberg, Attems, Herberstein und Leslie Palais in Graz und Besitzungen im ganzen Land besaßen. Die Künstler, die in ihren Grazer Palais tätig waren, führten auch die Aufträge in den Schlössern in der Peripherie aus. Die Teile der Ausstattung, die aus der Mode kamen, wurden in die Landresidenzen verlegt (z.B. die Tapisserie-Sammlung der Grafen von Leslie). Derselbe Künstlerkreis wurde auch im Bereich der sakralen Kunst tätig, da die erwähnten Auftraggeber die Umbauten und Ausstattungen der Kirchen veranlassten, die unter ihrem Patronat standen oder über die sie die Vogteirechte besaßen. Neben den privaten Auftraggebern waren es vor allem die Klöster, die aufgrund ihrer Verbindungen zwischen einzelnen Ordensniederlassungen ein gemeinsames Kunsterbe ausbildeten. Nur als Beispiel seien die Minoriten in Bruck an der Mur und Ptuj (Pettau) oder die Jesuiten in Leoben und Ptujska Gora (Maria Neustift) genannt. Weitere Beispiele bieten die öffentlichen Gebäude des 19. Jahrhunderts (Schul-, Militär- und Postgebäude, Bahnhöfe), die noch heute maßgeblich das Bild der Städte prägen. Der Workshop wird von dem Kunsthistorischen Institut der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz in der Kooperation mit der Abteilung für Kunstgeschichte der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Maribor und des France Stele Instituts für Kunstgeschichte des Forschungszentrums der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste organisiert. Die Dissertant/inn/en, die sich mit der Kunst der Steiermark auseinandersetzen, sowie ihre Betreuer/innen und andere an dem Thema interessierte Mitarbeiter/innen werden ihre Forschungsthemen und die bislang vorliegenden neuen Forschungsergebnisse vorstellen und zur Diskussion stellen. Obwohl die Fragestellungen und methodologischen Ansätzen der Dissertant/inn/en vielfältig sind, bietet das für den Workshop gewählte Thema der Auftraggeber einen gemeinsamen Nenner und eine solide Basis für die Zusammenarbeit und Diskussion. Der Workshop dient auch der Stärkung der Kooperation zwischen den Instituten und wird Grundlage einer sich gemeinsamen Projektvorbereitung und weitergehenden Kooperation sein.

 

Univ.-Prof. Edgar Lein

 

 

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Univ.-Prof. Dr. Edgar Lein Telefon:+43 (0)316 380 - 2396

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